Deutsche sind bei Medizintechnik-Patentanmeldungen Europameister

Bildquellenangabe: Michael Bührke  / pixelio.de

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Die Medizintechnik liefert die meisten europäischen Patentanmeldungen, Deutschland ist hierbei Spitze. Im internationalen Vergleich hat die deutsche medizintechnische Wissenschaft in den letzten Jahren noch weiter aufgeholt und nimmt nun – ebenso wie der deutsche Welthandelsanteil – den zweiten Platz hinter den USA ein.

 

 

Medizintechnische Ideen aus Deutschland und Europa

Unter allen europäischen Patentanmeldungen des Jahres 2012 entfielen 10.412 Patente auf medizintechnische Innovationen, kein anderer Technikbereich meldete so viele Patente an. Das teilte der BVMed in einer Erklärung im August 2013 mit. Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht des Europäischen Patentamtes, den dieses wenige Tage zuvor veröffentlicht hatte. Die Branche sei nicht nur hoch innovativ, sondern wachse auch sehr dynamisch, so der BVMed. Deutsche medizintechnische Unternehmen erzielen ein Drittel des Umsatzes mit Produkten, deren Entwicklung frühestens drei Jahre zuvor begonnen hatte. Dahinter stehen überdurchschnittlich hohe Mittelzuflüsse aus der deutschen Wirtschaft selbst – rund neun Prozent aller Umsätze – in die Forschung und Entwicklung. Der BVMed plädiert für eine Fortsetzung dieser fruchtbaren Allianz zwischen Ökonomie und Wissenschaft, die der Patientenversorgung in Deutschland und weltweit in hohem Ausmaß zugutekommt.

 

Deutsche Familienunternehmen als treibende Kraft

Ein erheblicher Teil der deutschen Innovationen kommt dabei von kleinen und mittleren Familienunternehmen, die ihre Produktentwicklung sehr ernst nehmen. Die Medizintechnik-Branche ist geprägt von diesen Unternehmen, die in die EU-weite Definition der Klein- und Mittelstandsunternehmen fallen. Die meisten wurden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet und stehen vor einem Generationswechsel, der meist zu einem Unternehmensverkauf führt, wenn kein Nachfolger in der Familie vorhanden ist. Auf diese Weise verändert sich die Branche hin zu weniger aber größeren Unternehmen.

 

Gründung des Hamburger Forschungszentrums für Medizintechnik

Zwei Hamburger Universitäten – die TU Hamburg-Harburg und das UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) – haben gemeinsam im Sommer 2013 gemeinsam das Hamburger Forschungszentrum Medizintechnik gegründet. Ziel des Projektes ist die verstärkte Kooperation von Ärzten und Ingenieuren, um medizintechnische Produkte noch schneller zur Marktreife zu bringen und sie weiter auf Patientenbedürfnisse hin zu optimieren. Die gebündelten Kompetenzen aus Hamburg sollen für ganz Deutschland beispielgebend wirken, wobei man einräumt, dass es ähnliche Projekte auch an anderen deutschen Standorten wie München gibt. Für das Zusammenspiel von ingenieurstechnischer Wissenschaft und Medizin investieren beide Universitäten jährlich jeweils 125.000 Euro, mit denen Forschungskooperationen vertieft, der Nachwuchs gefördert und Partnerschaften mit Industrieunternehmen geprüft werden. Auch sollen die Studiengänge beider Universitäten einen verstärkten Austausch beginnen. Ein berufsbegleitender Studiengang für Medizintechnik dürfte als nächster Schritt folgen. Ingenieure und Ärzte der beiden Forschungs- und Bildungseinrichtungen bezeichneten die Kommunikation zwischen den Fachleuten der beiden unterschiedlichen Richtungen Medizin und Ingenieurstechnik als größte Herausforderung des Projektes. Einzelprojekte existieren schon länger, so auf dem Gebiet der nanotechnischen Medizinanwendungen. Nanoelektronik aus der TUHH überwacht Stents per Implantat, das sensorisch den Aneurysma-Druck von Herzpatienten erfasst. Das erspart Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, mithin wertvolle Zeit für die Patienten. Der medizinische Forschungsanteil dieses Projekts kam von der interventionellen Radiologie der UKE-Klinik. Die Wissenschaft in Hamburg benötigt übrigens keine neuen Räume, weshalb sich die Kosten für die Kooperation in Grenzen halten: Fachleute beider Universitäten treffen sich in einem virtuellen Forschungszentrum.

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